Dirk Rahn, Managing Director der Hermes Germany bei uns im Interview

Einfach mal Bestandsaufnahme machen. Und Entscheidern den Puls fühlen. Das hat Hermes Germany mit einer Umfrage unter 200 Logistikmanagern getan. Das Hermes-Barometer „Supply Chain Management und Logistik 4.0″ dokumentiert nicht nur Schönwetterergebnisse. Noch gibt es in der digitalisieren Supply Chain Lücken. Kommt die Logistik 4.0 ins Stocken, Herr Rahn?

serie a befragte den Geschäftsführer Operations von Hermes Germany zu den Chancen und Vorbehalten der komplett vernetzten Welt.


serie a: Herr Rahn, jeder spricht von der Digitalisierung. Ist Logistik 4.0 der neue Motor der Logistik?

Dirk Rahn: Wir befinden uns in einer Zeitenwende. War IT über lange Zeit ein Mittel zum Zweck, um die Buchhaltung zu organisieren, wird sie jetzt zum zentralen Steuerungsinstrument von komplexen Logistikprozessen. Hermes stellt sich den neuen digitalen Herausforderungen und investiert derzeit z.B. allein in Deutschland 300 Mio. EUR in eine neue logistische Infrastruktur, die auf hochmoderner Technik basiert. Zudem erproben wir Zustellroboter der Firma Starship in Hamburg, um uns für die Zukunft des autonomen Fahrens aufzustellen. Eine gute Vernetzung zahlt sich in jeder Hinsicht aus: Aus der Transparenz und Verknüpfung von Daten entsteht ein unglaubliches Wertschöpfungspotenzial für Unternehmen.

…das viele weder nutzen, noch erkannt haben.

Dirk Rahn: Ganz im Gegenteil! So hat unsere Studie ergeben, dass die Mehrheit der Befragten zustimmt, dass die Digitalisierung großes Potenzial besitzt und die Prozesse in Transport und Logistik grundlegend verändern wird. Zum Teil hapert es allerdings noch an der Umsetzung. Als Partner des Handels sehen wir uns hier durchaus als „Enabler“ und unterstützen unsere Auftraggeber auf diesem Weg.

Eine hohe Bedeutung kommt nach den Umfrageergebnissen digitalen Plattformen für die Integration von Kunden und Zulieferern zu

Worin sehen diese Unternehmen die größten Chancen?

Dirk Rahn:  Eine hohe Bedeutung kommt nach den Umfrageergebnissen digitalen Plattformen für die Integration von Kunden und Zulieferern zu. 64 Prozent aller Befragten sehen einen großen Wert darin, ihre Prozesse künftig über eine Plattform abwickeln zu können, die nicht nur alle Instrumente zur Steuerung und Kontrolle der Supply Chain bereithält, sondern Partnerunabhängig von Zeit, Ort und Systemvoraussetzungen in Echtzeit in den Prozess einbindet.

Das kann ja nur funktionieren, wenn sich Unternehmen öffnen und ihre transportbezogenen Daten mit den beteiligten Partnern teilen oder?

Dirk Rahn: Richtig. Transparenz setzt voraus, sich zu öffnen. Aber darin liegt ja eben ein Vorteil, an dem alle partizipieren: Die Lieferkette wird zuverlässiger und auch planbarer, wenn beispielsweise Abweichungen vom geplanten Liefertermin rechtzeitig erkannt werden. Auch die Administration wird wesentlich schlanker: Daten müssen nicht mehrfach erfasst werden, womit sich auch Fehlerquellen reduzieren.

Schaut man in die Unternehmen, gibt es auf dem Weg in die digitale Welt auch Hindernisse und Vorbehalte…

Dirk Rahn: Das ist bei dem Tempo und Anpassungsdruck, dem sich viele Unternehmen ausgesetzt fühlen, ja auch nachvollziehbar. Kaum eine Entwicklung hat die Logistikbranche so massiv beeinflusst wie die digitale Transformation. Das zeigen in positiver Hinsicht neue, alternative Zustellservices, wie z.B. der mobile Paket- und Retourenschein, die Parcellock-Zustellbox oder eben unser Roboter, die allesamt digital gesteuert werden. Das Ergebnis ist ein deutlich höherer Kundennutzen mit ganz neuen Möglichkeiten, als Regisseur einer Sendung aktiv in den Zustellprozess einzugreifen. Wenn Telefon, Fax und sogar E-Mails überflüssig werden, weil sich Prozesse weitestgehend selbst steuern, setzt das schon ein Grundvertrauen in neue Technologien voraus. Jeder Fortschritt ist immer von einer gewissen Skepsis begleitet. Das beste Gegenmittel ist, dem Kunden in der täglichen Praxis zu zeigen, dass es funktioniert.

Was zeigt das Hermes-Barometer denn in dieser Frage an?

Dirk Rahn: Fast jeder zweite Entscheider fürchtet die Anhängigkeit von der IT. Gleichzeitig gehen die Top-Manager aber auch davon aus, das Unternehmen, die nicht auf die Digitalisierung ihrer Informations- und Managementprozesse setzen, mittelfristig vom Markt verschwinden werden. Hermes unterstützt seine Kunden bei der erfolgreichen Transformation, z.B. indem wir für unsere Auftraggeber im Bereich des Supply Chain Managements eine Prüfung der vorhandenen Daten über unser Analysetool SCAN vornehmen und dazu beitragen, ihr Datenmanagement zu professionalisieren.

Immer wieder wird die Frage nach der Datensicherheit der in vielen Fällen Cloud-basierten Plattformlösungen gestellt. Ist sie berechtigt?

Dirk Rahn:: In puncto Sicherheit betreiben Anbieter von Cloud-Lösungen einen sehr hohen Aufwand, um Daten und Prozesse kontinuierlich zu überwachen und zu schützen. Dazu wäre ein kleines oder mittelständisches Unternehmen kaum selbst in der Lage. Der parallele Betrieb in verschiedenen Rechenzentren an unterschiedlichen Orten sichert in der Regel die Hochverfügbarkeit wichtiger IT-Lösungen. Wichtig ist, dass die Systeme in Deutschland stehen, denn hier unterliegen sie den strengen Richtlinien des Bundesdatenschutzgesetztes.

Wo sehen Sie bei der Digitalisierung derzeit den größten Nachholbedarf in den Unternehmen?

Dirk Rahn: Viele Unternehmen müssen noch an ihrer Datenqualität arbeiten, um die Voraussetzungen für die Digitalisierung schaffen zu können. Und es müssen noch Lücken geschlossen werden: So haben 42 Prozent der von uns befragten Unternehmen angegeben, dass an vielen Stellen der Supply Chain gar keine Daten erfasst werden.

Und wie sieht es mit der Großwetterlage in Sachen Digitalisierung aus?

Dirk Rahn: Sehr positiv! Wir spüren den Auftrieb und neuen Stellenwert, den das Thema erhält. Die Chancen der Digitalisierung überwiegen die Risiken bei weitem. Jetzt kommt es darauf an, die richtige Plattformlösung für die Abbildung und Integration aller Prozesse in der Lieferkette zu finden. Der digitale Wandel an sich ist ja nicht neu – nur seine Geschwindigkeit. Wichtig ist daher, dass wir den Kunden und seinen Nutzen im Blick behalten. Unsere Verantwortung als Unternehmen besteht vor allem darin, diesen Prozess möglichst nachhaltig und kundennah zu gestalten.

Hello Digitalisierung! Teil 2: Digitaler Wandel hat nichts mit Größe zu tun.

Wie Frachtführer und Unternehmer rechtzeitig Marktvorteile sichern.

 

 

 

Logistik 4.0 ist ein Stichwort, das in einer ersten Betrachtung Respekt abnötigt. Man verbindet es mit teuren Anschaffungen wie Equipment oder Software, mit einer eigenen IT Abteilung oder mit viel Aufwand. Als kleines oder mittelständisches Unternehmen im Landverkehr fragt man sich, wie man mit diesen Entwicklungen und Ansprüchen Schritt halten soll.

 

 

Die Sorgen so mancher Unternehmer scheinen berechtigt. Ein Indikator dafür ist die hohe Zahl der Insolvenzen, die alleine im letzten Jahr bei 7% vom Gesamtmarkt lag. Steigende Kosten, Mindestlohn, Maut und immer höhere Anforderungen an die Dienstleistung vermischen sich zu einem manchmal schwer zu verdauenden Cocktail und zu Margen, die sich um die 1,5% Marke bewegen. Und jetzt Logistik 4.0, die ganzheitliche Digitalisierung der gesamten Lieferkette vom Schaf auf der Weide bis zum Pullover in der Boutique. Mitspielen können bald nur noch Unternehmen, die nicht nur entsprechend qualifiziert und zertifiziert sind, sondern auch im digitalen Netzwerk zeitnah und bedarfsgerecht transportieren und alle relevanten Daten automatisiert und in Echtzeit einspeisen.

 

Kein Anlass zu Depressionen

 

Bevor wir in Depressionen versinken, kommen hier ein paar gute Nachrichten. Zum einen beginnen große Logistikdienstleister und auch Verlader aus Produktion und Handel zu verstehen, dass sie in Zeiten von knappem Laderaum und Fachkräftemangel auf gute Transportunternehmen angewiesen sind. Dass diese Partner sind, die Augenhöhe verdienen, weil jeder mit seiner Kompetenz und seinen Fähigkeiten ein wichtiger Teil des Gesamterfolges ist. Dass sie voneinander lernen können und sich gegenseitig unterstützen sollten. Dieser Wertewandel zeigt allmählich Wirkung. Heute heißt es eher „fördern statt feuern“. Umgekehrt beginnen Transportunternehmer die Wettbewerbs-Chancen für sich zu entdecken, die in Servicequalität, Verantwortung und Qualifizierung oder dem Anschluss an technologischen Fortschritt stecken.

 

Die nächste gute Nachricht kommt entgegen aller Erwartung genau aus dieser Technologie-Ecke. Etliche große Logistikdienstleister bieten inzwischen digitale Portale, auf denen sich Frachtführer und Unternehmer registrieren können, nicht nur, um ihre Vorteile ins rechte Licht zu rücken, sondern auch, um mit Leistungen aus der Cloud technologisch mitzuhalten. So können via Apps Statusmeldungen schon direkt von der Straße aus gegeben werden und die rechtzeitige Information aus einem längeren Stau führt vorausschauend zur Umdisponierung an der Rampe. Mit nichts als einem Smartphone und GPS. Dieser Service kostet den Unternehmer in der Regel nichts aber seine Kunden macht es glücklich.

 

So manche Wolkenformation verspricht gute Aussichten.

 

Diese sogenannten Digital Hubs bieten in der Regel aber noch viel mehr Vorteile. Ist es nämlich eine gute Plattform mit einer guten Software im Rücken, dann können sich die registrierten und zugelassenen Unternehmen mit einer konsequenten Pflege ihrer eigenen Daten immer aktuell präsentieren. Sie können aber auch workflows hinterlegen, sich an Aufgaben erinnern oder rechtzeitig darauf hinweisen lassen, ihre Qualifizierungen und Zertifizierungen  zu verlängern. Dinge, die manchmal im Gefecht des operativen Alltags untergehen.

 

Ein Sahnehäubchen dieser geschlossenen Portale ist das Feedback des Logistikdienstleisters, mit dem man versteht, auf welchem Vertrauenslevel man sich in der Hierarchie von teilweise ja  mehreren Tausend angebundenen Unternehmern befindet. Nie war es so leicht, sich selbst zu überprüfen, aus Feedback zu lernen, sich den Markterwartungen anzupassen und somit Entwicklungsschritte zu tun, die eine sichere Auftragslage versprechen.

 

Digitaler Wandel hat überhaupt nichts mit Größe zu tun. Sondern mehr mit der Cleverness, passende Technologie-Angebote rechtzeitig zu erkennen und zu nutzen, um den Anschluss eben nicht zu verlieren.

Hello Digitalisierung! Teil 1: Digitaler Wandel hat mit Größe zu tun.

Wie Logistikdienstleister aus intelligenten Algorithmen Kundenzufriedenheit schaffen.

 

Kennen Sie die aktuelle Bitcom Studie zum Thema Industrie 4.0? Eines der dort beschriebenen Szenarien spricht von adaptiver Logistik, mit der Online-Speditionen Transporte auf Knopfdruck ermöglichen.  Das ist aber nur ein kleiner Teil der sich abzeichnenden Möglichkeiten, innerhalb einer vernetzten Supply Chain mit Echtzeitinformationen, Kapazitäten-Management, Frühwarnsystemen und zusätzlichen Kundenservices zu punkten.

In dem derzeit schon fast absurden Wandeltempo der Branche wird eines klar: das Dienstleistungsportfolio der Logistikdienstleister wird immer differenzierter, Kundenerwartungen und Anforderungen an Qualität, Qualifizierung, Zertifizierung und Service-Grad werden immer höher. Wenige große Logistikdienstleister buhlen um die potentesten Verlader. Ihre Dienstleistungen und damit ihr Wettbewerbsvorsprung sind von vielen kleinen Rädchen der gesamten Lieferkette und ihrer Beteiligten abhängig. Und am besten steuern sie jedes einzelne davon exakt auf die Wünsche ihres Kunden hin. Also alles easy. Wäre da nicht schon seit Jahren die drohende Verknappung von Frachtraum und Fachkräften auf der einen Seite und die Service-Qualität tausender kleiner Transportunternehmer, denen eine Durchschnittsmarge von 1,5% den Investitionsspielraum nicht unerheblich abschnürt.

Beziehung und Bindung statt Diktat und Druck…

Zeiten ändern sich. Es wird spürbar, dass die beste Dienstleistung am Ende der Kette sich aus einer Partnerschaft auf Augenhöhe zwischen Logistikdienstleister (LDL) und Transportunternehmer ergibt. Verständnis und Wertschätzung, Förderung und Unterstützung machen aus reinen Erfüllungsgehilfen intelligente Begleiter für ein optimales Ergebnis. Sicher, manche großen LDL haben ein Portfolio von mehreren Tausend Unternehmern, reden wir also über ein schier unmögliches Unterfangen? Ganz zu schweigen vom Wertewandel in den Köpfen altgedienter Disponenten?

 Kein Anlass zur verfrühten Kapitulation…

Wie so oft kommen die guten Nachrichten aus der Technologie-Ecke. Sogenannte personalisierte Digital Hubs bringen alle Bedürfnisse des LDL in den Strom kundenbezogener Workflows. Transportunternehmer werden angebunden, sie pflegen ihre sämtlichen Daten, ihre Zertifizierungen, ihre Qualifizierungen, ihre Besonderheiten und Vorteile in ihr Portfolio ein. Eine phantastische Möglichkeit, sich zu präsentieren und im selektiven Auswahlprozess zu punkten. Intelligente Hubs geben ihnen darüber hinaus den Service von Erinnerungen, von auftrags- und projektbezogenen Dingen bis hin zu wichtigen Ereignissen, wie z.B. dem rechtzeitigen Hinweis auf die Erneuerung eines Zertifikats. Die Komplexität der von Kunden zu Kunde, teilweise von Auftrag zu Auftrag variierenden Anforderungen steuert das System. Und das ist unbestechlich. Ist etwas nicht erfüllt, stimmt die Service-Qualität nicht, gab es in letzter Zeit Qualitätsprobleme, Lieferverzögerungen… der Disponent kann sich auf automatisierte, digitale Schranken verlassen. Der Unternehmer kann rechtzeitig reagieren.

Ein konstantes Monitoring nach definierten Kriterien schafft Neutralität und honoriert gleichzeitig alle Anstrengungen des Transportunternehmers, sich mit einer hohen Qualität einzubringen. Und natürlich haben Disponenten die Möglichkeit, auch weiche Faktoren mit in Bewertungen einfließen zu lassen.

Aber hier endet die Begleitung für kleine und mittelständische Transportunternehmer nicht. Denn mit der Registrierung braucht er z.B. nur noch GPS oder ein Smartphone oder eine in der Regel vorhandene Schnittstelle zu einem Telematikanbieter, um lückenlose Echtzeit-Status-Informationen in die Lieferkette einzuspeisen.

Über allen Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein…

 

Tatsächlich können solche Digital Hubs noch viel mehr. Ist es nämlich eine gute Plattform mit einer guten Software im Rücken, ist der LDL in der Lage, Kunden-, Auftrags- oder Projektbezogen die gesamte Lieferkette nach seinen individuellen Parametern zu evaluieren. Mit einem Klick sieht er Schadenquoten, Lieferqualitäten, kann Ratings vergeben.

Die Freiheit der Ansprache und Auftragsvergabe an ausgewählte Transportunternehmer ist grenzenlos. Auch die Freiheit von Feedbacks, Fördermaßnahmen oder Unterstützungen. Wie in einem kleinen, erlauchten Club. Das ist echtes Beziehungsmanagement zum Vorteil beider Parteien. Da rechnet sich auch das Investment.

So gesehen hat digitaler Wandel für LDL mit der Größe der Anzahl ihrer angebundenen Transportunternehmer zu tun. Und damit mit schnell und bevorzugt verfügbarem Frachtraum und Lieferqualität.  So werden schnöde Algorithmen zu Marketing.